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AUFRESIGNATION

by AUFRESIGNATION

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1.
Pillenknick 03:38
Pillenknick Wir sind geboren nach dem Pillenknick Und es reichte nicht zum stillen Glück Denn wir haben den Bob-Dylan-Blick Dagegen hilft auch kein Willens-Trick Die Autonomen hatten Zwillen-G’schick Und die Popper fanden Villen schick Manche bekamen einen illen Tick Haar wurde dünner, dafür Brillen dick Babyboom Babydoom Babyboom Babydoom 68 kriegt’ nen stillen Knick Als wir uns suhlten im Bob-Dylan-Glück Was damals fehlte, war der Willens-Blick Statt Politik übte man Zwillen-Trick Weiterhin regiert’ das Villen-G’schick Nicht mehr mit Mief, mit einem illen Schick Poplinke pflegen ihren Brillen-Tick Und werden gerne mal von Pillen dick Babyboom Babydoom Babyboom Babydoom Auch der Nobelpreis war kein Dylan-Knick Doch leider auch ein Triumph-des-Willens-Glück Zum Ausbruch braucht man einen Zwillen-Blick Drin bleibt man schon mit einem Villen-Trick Die Medien hypen mit 'nem illen G’schick Für Nabelschau finden wir Brillen schick Wir schau’n sediert durch unsern Pillen-Blick Das System fickt uns mit 'nem stillen Trick Happy Doomsday to you Happy Doomsday to you Happy Doomsday Happy Doomsday I wish you a merry crisis I wish you a merry crisis I wish you a merry crisis And a happy new fear
2.
critical white noise studies Die Menschen können nichts um sich herum sehen, was nicht ihr Gesicht ist. Guy Debord wir, der kugelsichere westen: schaumgeboren. schaum- krönungsmesse. weißgold. elfenbein. baumwolle. all dieses weiß in den händen der dunkleren rassen? die wut darüber ließ uns erbleichen & a face at first just ghostly turned a paler shade of white. „weißer schaum stand vor ihren mündern wie der nebel über dem rauchenden wasser.“ nur vier menschen haben jemals den hörsturz in den niagarafall überlebt. das weiße rauschen der monokulturen im gelöschten breitband- klang der natur. die virtuellen wassermassen, die durch die wurzeln der baumwolle rauschen, in den kaffee, der ganze kontinente trockensaugt, durch die wasch-, kämm- & bleichefabriken, die färbeanlagen; das weltenzerfetzende rauschen der ozeanwellen, die die riesigen frachter verdrängen auf ihrem weg von den farbigen fertigungsstätten in das heiße herz der weisen wirtschaftsweißen: würde es hörbar, dann wär es das rauschen der sintflut, die als bugwelle uns vorauseilt, weiß schäumend. wenn sie umschlägt, gesellen wir uns zu den toten von sklavenhandel & anlegeverbot. erst unter der haut, hier am boden des meeres, als knochen: da sind wir alle weiß. (aus "motörhead klopstöck", https://parasitenpresse.wordpress.com/2020/06/23/gerald-fiebig-motoerhead-klopstoeck/)
3.
problemzonen im closed loop von kaltgang & warmgang, in vollkontinuierlicher wechselschicht an allen ecken & enden anecken & verenden. installativ verzettelt in veredelter luft: ist das alles? als bademeister in der inneren heilanstalt den ganzen körper waschen in gechlorter unschuld. aufstand, heißt es, ist die beste auferstehung, aber vom beckenrand springen ist auch keine lösung. abhängen auf dem public space ship ohne taikonautenanzug. keine arche weit & breit, nur kryptogeld & heilwassser in PET-flaschen. joints & däumchen, an originalschauplätzen gedreht. als reiter in der residenz auf gänsegeierflügeln gärtnern mit plutonium, als aas mit ohren hören auf die stimme des förderbandgebers: selbstporträt als aasgesicht in cappuccinogruft. willst du nicht enden als geek mit gecko-tattoo, als quellcodenymphe in der echokammer, dann musst du auf elfenbeinen türmen. darauf mein großes klabauterehrengrab: wir haben nichts zu verlieren als unsere wertschöpfungsketten. lichtmess & dann ist es plötzlich herbst & die nacht kriecht in den tag durch den goldstaub über den laubhaufen die werden von einer seite auf die andere geblasen nicht eingesaugt sondern zurechtgeföhnt wie die frisuren der mütter in der haifischkrabbelgruppe der übertrittsklassen & dann ist es plötzlich herbst & die nacht kriecht in den tag durch die trichter der kastaniengranaten & die schatten über den von goldbronze überzogenen konten die in jeden haushalt gehören der auf eine leerstelle blickt auf eine halbwaise oder eine ausgebrannte schlackefabrik & dann ist es plötzlich herbst & die nacht kriecht in den tag & der lichtsmog jenseits der brachen bahntrasse glimmt an jenen abenden wenn gott dir den stinkefinger zeigt & die alleinerziehende mutter maria als drill instructor im himmel fahrtskommando das badradio aus der verankerung reißt & dann ist es plötzlich herbst & die nacht kriecht in den tag bis kein licht mehr da ist & die dunkle seite der macht mit unsichtbar öffentlicher hand den jahreszeitenwechsel einfriert denn der haushalt ist klamm & die schattigen schulen unheizbar & der biologieunterricht findet privatisiert im käferzelt statt bis kein licht mehr da ist & die einschlägigen ministranten uns mit sanktionsbewehrten maßnahmen die schulden verschreiben bis die einschläge aus den ministerien uns eine dynamische lehrstelle als kohlezerspaner im haushaltsloch andrehen bis kein licht mehr da ist & die heckenschützenfonds mit dunkler antimaterie das fleisch der zeichen vom knochen der infrastruktur fallen lassen zu der unsere körper gehören doch »der kopf bleibt dran damit man ein gesicht zu der ware hat« (aus "motörhead klopstöck", https://parasitenpresse.wordpress.com/2020/06/23/gerald-fiebig-motoerhead-klopstoeck/)
4.
Bunt & bestialisch Wir rauchten und wir tranken und wir waren unglücklich Wenn wir Liebe machten, war es meistens im Stehn Zwischen Schicht und Koma, zwischen sieben und zehn Wer an etwas glaubte, der wurde sediert Ich lasse mein Wasser und saufe ein Bier dazu Und steche mir in meine Leber ein neues Tattoo Du sitzt da mit 'nem Gesicht wie eine kollabierte Lunge Was haben sie mit dir nur gemacht, mein Junge? Blutergüsse wie von Goethes Faust das Gretchen Womit bist du denn nur geschlagen, Mädchen? Ich schenk dir reinen Wein ein und saufe ein Bier dazu Und steche mir für dich ins Herz ein Leber-Tattoo Ich verspreche dir, meine Prinzessin, alles wird gut Dein Vater ist ein Lügner und trägt eine Krawatte aus Blut Ich verspreche dir, kleiner Prinz, aus Glut wird Asche Deine Mutti hat in ihrem Kettenhemd eine Laufmasche Ich saufe ein Bier und saufe ein Bier dazu Und steche mir in meine Leber ein Leber-Tattoo nach Matthias BAADER Holst

about

AUFREGEN und RESIGNIEREN liegen oft nah beieinander, oder anders gesagt: Auf AUFREGUNG und Rebellion folgt nicht selten RESIGNATION. Diese bipolare Pendelbewegung vom Aufbegehren zum Aufgeben, von der Manie zur Depression, vom Rausch zum Kater hat der Augsburger Gitarrist, Komponist und Produzent Oliver Kolek in Gedichten und Songtexten von Gerald Fiebig aufgespürt und zur Grundlage des Minialbums AUFRESIGNATION gemacht. Es erscheint als gemeinsame Veröffentlichung der Augsburger Labels gebrauchtemusik und attenuation circuit.

Dass Kolek das Album auch unter dem Projektnamen AUFRESIGNATION erscheinen lässt, ist konsequent. Denn die jähe Schwankung zwischen entgegengesetzten Stimmungen oder Haltungen ist nicht nur Thema in den Texten, der er vertont hat. Vielmehr macht er sie auch zum Kompositionsprinzip, das sich durch alle vier Stücke zieht. Der Opener “Pillenknick” schlägt von krassem Electroclash unvermittelt in unheimlich heimelige Swing-Gemütlichkeit um (bis die Melancholie zurückschlägt) und erzählt dabei die Verfallsgeschichte emanzipatorischer Protestbewegungen als schlechten Wortwitz der Weltgeschichte (“Die Geschichte spielt immer zwei Mal, das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Kalauer” - so ähnlich hieß das doch bei Marx). “Critical White Noise Studies” sprengt die Grenzen vom Song zum Ambient-Track u.a. durch sein ungewöhnliches Arrangement von Stimmen, die zu düsteren Elektroniksounds Bilder von Sklaverei und (Neo-) Kolonialismus heraufbeschwören. Während sonst alle Instrumente auf dem Album von Oliver Kolek selbst eingespielt wurden, wird er auf diesem Track von Leandra White am Modularsynthesizer unterstützt. Das Stück “Problemzone Lichtmess” verwendet, wie “Critical White Noise Studies”, Textmaterial aus Gerald Fiebigs Gedichtband “motörhead klopstöck” (dessen Titel mit seiner Kollision von “Pop”- und “Hoch”-Kultur schon auf das ungleiche Pärchen aus AUFREGUNG und RESIGNATION vorausdeutet). Bilder von Arbeit und Entfremdung, changierend zwischen sarkastischem Witz und traurigem Zynismus, werden in eine Komposition eingebettet, die von Glitch-Electronica zur atmosphärischen Ballade morpht. Der Abschlusstrack des kompakten Konzeptalbums AUFRESIGNATION verwendet, wie der Opener, einen bislang unveröffentlichten Text, der von Fiebig speziell als Songtext geschrieben wurde. (Der Titel und die erste Strophe sind dabei Zitate des viel zu früh verstorbenen Ostberliner Dichters Matthias BAADER Holst.) Thematisch ist der Übergang von der AUFREGUNG zur RESIGNATION bzw. vom Aktivismus zum Alkoholismus in diesem Popsong nun endgültig abgeschlossen. Doch das letzte Wort hat die Tatsache, dass es das Album überhaupt gibt. Denn zwar könnte man angesichts der Scheußlichkeiten der Welt durchaus den Wunsch haben, sich die (Rettungs-) Decke über den Kopf zu ziehen wie die Figur auf dem Cover. Oliver Kolek dagegen hat eben nicht RESIGNIERT sondern ein AUFREGENDES Album mit schönen Liedern über hässliche Dinge gemacht. Oder, wie es der Protestsänger und Dichter Phil Ochs um 1968 formulierte: “Ah but in such ugly times the true protest is beauty”.

credits

released January 18, 2023

attenuation circuit ° ACU 1047
attenuationcircuit.de ° attenuation-circuit@web.de

gebrauchtemusik ° gm038
gebrauchtemusik.de

Komposition / Instrumente / Stimme: Oliver Kolek
soundcloud.com/oli-kolek / aufresigniert@web.de
Modular Synthesizer Track 2: Leandra White
soundcloud.com/gehendieleute

Texte: Gerald Fiebig
Track 2,3: Texte aus "motörhead klopstöck", www.parasitenpresse.de

Mastering: Bernhard Kühne
insta: @bkuehne
Artwork: Bastian Hengge
Picsource: vinicius-amnx-amano

license

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about

gebrauchtemusik Augsburg, Germany

Label für Homerecording und Geräuschpop

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